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Kurzübersicht 

 

Chico & Rita  

Regie: Fernando Trueba/Javier Mariscal, Spanien 2010

 

Chico & Rita  ist ein sogenannter Animationsfilm von dem Quartett Fernando Trueba, Javier Mariscal, Tono Errando und Bebo Valdez (Musik) aus dem Jahr 2010.  Die Filmmusik bzw. die Arrangements stammen teilweise vom Pianisten, Bandleader und Komponisten Bebo Valdes, der bedeutende Musikwerke mit lateinamerikanischen Rhythmen in den vierziger und fünfziger Jahren in Kuba komponiert hat.

Inhalt:

Havanna 2008. Chico, ein alter Schuhputzer in Havanna, verdient sich mühsam seinen Lebensunterhalt. Bei seiner Rückkehr nach Hause, hört er im Radio ein Lied, dass 1948 von ihm komponiert wurde und das er gemeinsam mit der Sängerin Rita bei einem Radiowettbewerb erfolgreich aufgeführt hat. In einer Rückblende um sechzig Jahre sieht man den jungen Pianisten Chico, der das Leben in Kuba vor dem Castro-Regime genießt. Bei einem Bar-Auftritt lernt er die wunderschöne Sängerin Rita kennen und lieben. Es entwickelt sich eine mitreißende Love-Story, die durch kubanischen Jazz, wunderschöne Grafiken und Animationen mit viel Gefühl geprägt ist. Und natürlich ein Happy End.

Kritik

Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine, 01.09.2012

„In seinem Zeichentrickfilm „Chico & Rita“ erzählt Fernando Trueba von einer unglücklichen Liebe im Kuba der vierziger Jahre und verzaubert uns mit Farben, Formen, Bewegungen und Musik. Das macht „Chico & Rita“ so sehenswert: Dass eine Einheit von Form und Thema besteht. Wenn Trueba spektakuläre Kamerafahrten zeichnen lässt und Cinemascope-Ästhetik einsetzt, gleicht das der Experimentierfreude, die Hollywood in jenen fünfziger Jahren auszeichnete, in denen der Hauptteil der Handlung angesiedelt ist. Der Film ist aus einem Guss, ein synästhetischer Glücksfall, dem man das Drehbuch gern nachsieht, weil man ohnehin nur auf die nächste Musikszene wartet. Zu Recht, bis zuletzt.“

Auszeichnungen:

Spanischer Filmpreis 2011

Europäischer Filmpreis 2011(Europäischer Filmpreis in der Kategorie Bester Animationsfilm)

Trickfilmfestival Stuttgart 2011(Bester Animationsfilm in der Kategorie AniMovie)

Oscarverleihung 2012(Nominierung in der Kategorie Bester animierter Spielfilm)

 

 

 

Lady sings the Blues

Regie: Sidney J. Furie, USA 1972

 

 

Billie Holiday ist eine der stimmgewaltigsten aber auch tragischsten Personen des Jazz. Sie wurde von vielen Eleanora, aber auch Lady Day genannt. 1930 begann sie in Clubs aufzutreten. Ihr Repertoire bestand aus Swing- und Bluestiteln. Sie arbeitete während ihrer Karriere zusammen mit Musikern wie Chick Webb, Benny Goodman, Louis Armstrong, Teddy Wilson, Lester Young, Count Basie und Artie Shaw. Als eine der ersten Jazzsängerinnen trat sie mit weißen Musikern auf und überwand damit die damals vorherrschenden, rassistischen Beschränkungen. Billie Holiday litt Zeit ihres Lebens unter ihrer Diskriminierung als Afro-Amerikanerin.

Billie Holiday verfasste im Jahr 1956 zusammen mit dem Journalisten und Buch-Autoren William Dufty eine Art Autobiografie. Zum Zeitpunkt der Entstehung der Biografie war sie bereits im Endstadium ihrer Suchtkarriere, so dass man in ihrem Buch viele Zeit- bzw. Erinnerungsfehler finden kann. Fraglich ist auch, ob sie jemals ihre Erzählungen gegenüber William Dufty jemals gegengelesen/korrigiert/ausgetauscht hat.

Berry Gordy, der Chef des Musik-Labels Motown, gab ein Drehbuch auf der Basis der Autobiografie in Auftrag. Gordy hatte riesige Erfolge mit Motown im Schallplattenbereich (z.B. mit den Jackson Five). Mit seiner damaligen Lebensgefährtin Diana Ross wollte er mit dem Billie Holiday-Film den Einstieg ins Filmgeschäft schaffen u.a. mit Hilfe von Paramount Pictures. Diana Ross erinnert sich im „Making-of-Video“ über ihre Einstellung zum Film: „Ich wollte diese Rolle unbedingt, aber ich wollte nicht Billies Sound kopieren. Ich habe ein Jahr die Musik von Billie studiert, bevor ich zu den Musikaufnahmen ins Studio ging“. Suzanne de Passe -einer der Drehbuchautorinnen - gibt im „Making of-Video“ ihre Meinung zum Filmdrehbuch preis. „Enorme Schwierigkeiten bereiten Bio-Pics immer, wenn man die Meilensteine einer Karriere exakt und zeitgenau darstellen will.

Inhalt:

1936, New York City. Billie Holiday (Diana Ross) wird in ein Gefängnis eingeliefert. Sie ist mitten in einem kalten Drogenentzug, der Lebensgefahr bedeutet. Damit sie keinen Suizid begehen kann, wird sie in eine Zwangsjacke gesteckt und in eine gepolsterte Zelle gesteckt. Bedingt durch ihr Delirium ist sie kurz davor den Verstand zu verlieren bzw. an einem Herzinfarkt zu sterben. Mitten in ihren Deliriums-Phantasien sieht man – in einer Rückblende (zum Jahr 1928) -, wie sie als dreizehnjähriges Mädchen in einem Bordell als Dienstmagd arbeitet. Auf mehreren Zeitebenen wird der schwierige Lebensweg der Sängerin beschrieben, der zwischen Armut, Rotlicht, Aufstieg und Triumph, Absturz im Alkohol und Rauschgift verläuft.

Der Film kann als sehr freie Interpretation des Lebens von Billie Holiday bezeichnet werden. Er enthält viele Billie-Holiday-Musiknummern, die von Diana Ross neu interpretiert werden.

Der Film läuft in der englischen Originalversion und ist mit einer neuen, deutschen Untertitelung versehen.

 

Auszeichnungen:

Oscarverleihung 1972 

Nominierung in den folgenden Kategorien: Best Actress in a Leading Role (Diana Ross), Best Art Direction-Set Decoration (Carl Anderson and Reg Allen), Best Costume Design (Norma Koch), Best Music, Original Song Score and Adaptation (Gil Askey & Michel Legrand) and Best Writing, Story and Screenplay Based on Factual Material or Material Not Previously Published or Produced

 

 

Jazzclub - Der frühe Vogel fängt den Wurm

Regie: Helge Schneider, Deutschland 2004

 

 

 

"Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm" ist eine deutsche Filmkomödie aus dem Jahr 2004 und der vierte Kinofilm des Mülheimer Jazzkünstlers Helge Schneider, der das Drehbuch schrieb, Regie führte, die Musik komponierte und selbst als Darsteller in mehreren Rollen mitwirkte.

Inhalt:

Der Film beschreibt den Alltag des Fischverkäufers Teddy Schu. Um sich und seine Frau Jaqueline über Wasser zu halten, muss er zudem für die Agentur Señora Fuck unter dem Namen Rodriguez Faszanatas als Mann für gewisse Stunden sowie in den frühen Morgenstunden als Zeitungsausträger arbeiten.

Seine knapp bemessene Freizeit jedoch verbringt Teddy am liebsten mit seinen Freunden, dem Schlagzeuger Howard (Pete York) und dem Bassisten Steinberg (Jimmy Woode, Bassist von Duke Ellington), mit denen er ein Jazztrio bildet und Nacht für Nacht in einem kleinen Jazzclub spielt, jedoch fast immer vor leeren Stühlen und ohne Bezahlung, da der Jazzclub von der Schließung bedroht ist. Der Traum der drei Freunde, einmal mit dem großen (fiktiven) Jazz-Schlagzeuger Earl Mobileh zu spielen, scheint unerreichbar.

Kritik 

Aberwitzige Story, anarchistischer Humor, exzellenter Jazz, drittklassige Schauspieler, also exzellenter Film. Man muss den Humor von Helge Schneider lieben, um mit dem Film warm zu werden. Helge Schneider verwendet im Film alle Klischees, die es über Jazzmusiker gibt. Wurden diese Klischees früher larmoyant in Jazzfilmen transportiert, gelingt es Helge Schneider spielerisch und anarchistisch damit umzugehen. Der Film liegt  in einer Linie mit Woody Allens „Sweet and Lowdown“ . Allen geht etwas leichter mit den Klischees um. 

Vor dem Film spielt ein Quartett Live-Jazz (Ulrich Heim, Gitarre / Edgar Huckert, Tenor-Saxophon / Tim Kamp, Kontrabass / Billy Trebing, Drums).

NINA

Regie:  Cynthia Mort, USA 2016

 

 

 

Nina Simone passt in keine der gängigen Musik-Schubladen. Sie sang Jazz – den sie „Black Classical Music“ nannte -, Blues, Folk, Gospel, Protestsong bis hin zum Soul/Pop. Zudem war sie eine klassisch ausgebildete Pianistin, Arrangeurin und Komponistin.

Der Lebensweg eines zunächst traurigen, kleinen Mädchens aus North Carolina zur Jazzsängerin, Bürgerrechtsaktivistin, „Hohepriesterin des Souls“ und exzessiven Diva. Ihre Lebensstationen finden sich in den USA, Barbados, Liberia, Schweiz, Frankreich, den Niederlanden und zum Ende ihres Lebens wieder Frankreich. Ihre Wirklichkeit war von Gewalt, Drogen, der Diskriminierung als schwarze Künstlerin und schweren Psychosen mitbestimmt.

Inhalt

Tryon, North Carolina 1946. Die 13-jährige Eunice Kathleen Waymon (später Nina Simone) wird als musikalisches Wunderkind für klassische Musik gehandelt und soll ein Konzert in ihrem Geburtsort spielen.  Die Besucher – meist Weiße - warten gespannt auf die Aufführung. Den afroamerikanischen Eltern von Eunice wird aber nur ein Stehplatz bei einem Konzert ihrer Tochter zugewiesen, während die weiße Zuhörerschaft die besten Plätze belegt hat. Sie sagt dem Publikum, dass sie nur spielen werde, wenn ihre Eltern in der ersten Reihe sitzen dürfen. Als sie dies durchgesetzt hat, entfacht sie ein musikalisches Feuerwerk. In einer zeitlichen Montage springt der Film etwa 20 Jahre weiter in das Jahr 1965. Im Jazz-Mekka New York im Village Gate spielt Nina Simone einen Soul-/R&B-Titel „Feelin‘ good“ mit jazzigen Anklängen. Die Sängerin und Pianistin ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt.In einem weiteren Zeitsprung 1988 erklärt Nina einem französischen Rundfunkreporter wie ihre Karriere begann. Beethoven, Bach, Debussy, Chopin  usw. waren die Grundlagen ihres Klavierunterrichtes, den sie bei einer weißen Klavierlehrerin absolvierte. Verbittert erzählt sie, dass eine College-Ausbildung in klassischer Musik scheiterte, weil sie eine Afroamerikanerin war. Man wollte angeblich keine schwarze Pianistin ausbilden. 

Kritik (K.H.)

Der Film hat nach Erscheinen gemischte Reaktionen hervorgerufen, die sich zum großen Teil auf das Casting von Zoe Saldana - eine Latina - als Nina bezogen. Die Kritik bezog sich auf das Erscheinungsbild von Zoe, die einen hellen Teint hatte, im Gegensatz zum Teint von Nina, die tiefschwarz war. Um die Darstellerin im Film als Nina zu präsentieren, musste Zoe schwarzes Make-up aufgetragen werden. Zusätzlich wurde ihre Nase von schmal auf breit – durch eine entsprechende „Maske“ – getrimmt. Die Kritik sprach von „White-washing“ der Person Nina. Dieses White-Washing wäre geschehen, um dem Film ein breiteres Publikum zu vermitteln. Außerdem wurde kritisiert, dass genügend afroamerikanische Schauspielerinnen zur Verfügung gestanden hätten, doch diese bei der Produktionsfirma keine Chancen hatten. Die Familie von Nina Simone sprach von einer Fehlbesetzung und forderte, dass Zoe den Namen Nina Simone nicht mehr in der Öffentlichkeit verwenden sollte.

Obige Argumente sind zur zu verstehen, wenn man weiß, dass zur Entstehungszeit des Filmes heftige Diskussionen zur Besetzung von afroamerikanischen Schauspielern und Schauspielerinnen in Filmen geführt wurden. Zusätzlich wurde massive Kritik an der Vergabe von Oscars-Preises laut, die die Weißen bevorzugen würde. 

Die musikalische Qualität des Filmes ist als hervorragend zu bezeichnen. Die Interpretation von „Feelin Good“ und „I put a spell on you“ sind von seltener Güte, dank auch der Original Nina Simone-Band.  

 

 

Dingo

Regie: Rolf de Heer, Australien/Frankreich 1991

Der Film ist ein fast vergessenes Juwel im Jazz-Film-Bereich. 1991 wurde der Film in Australien und Frankreich gedreht, ca. ein Jahr vor dem Tod von Miles Davis.  

 

Inhalt:

Der etwa 40-jährige John ‚Dingo‘ Anderson (Colin Friels) übt im australischen Outback mit seiner Trompete (geghostet von dem amerikanischen Trompeter Chuck Findley). Er experimentiert mit Klängen und dem Echo seiner Trompete in der sonnendurchfluteten Landschaft. Seine Erinnerungen schweifen etwa 25 Jahre zurück, als er ein musikalisches Schlüssel-Erlebnis hatte.

In der Nacht zum 14. Januar 1969 wird ein Transport-Düsenflugzeug in die australische Outback-Stadt Poona Flat umgeleitet. Die Einheimischen, darunter der zwölfjährige John 'Dingo' Anderson, der mit seinen gleichaltrigen Freunden Peter und Helen sich in der kleinen Gemeinde im australischen Outback mit Spielen vergnügt, eilen neugierig zu dem kleinen Ausweich-Flughafen. Die riesenhafte Boeing 707 muss wegen eines Schadens am Boden repariert werden. An Bord sind der legendäre Jazz-Trompeter Billy Cross (Miles Davis) und seine Band, die auf einer Tournee sind. Als Cross die kleine Schar von Leuten sieht, beschließt er spontan ein Begrüßungskonzert auf dem Flugfeld zu spielen.  Die Band wird von der Bevölkerung von Poona Flat wie außerirdische Aliens begutachtet. Die Musik explodiert plötzlich und rollt wie eine Flutwelle durch die Wüste. John ‚Dingo‘ hat noch nie in seinem Leben so schöne Musik gehört. Er führt einen kurzen Dialog mit Billy Cross, der ihm rät doch auch Musik zu spielen und ein Instrument zu lernen. Er lädt den Jungen ein – falls er einmal nach Paris kommt – ihn zu besuchen und ihm dann seine Musik zu präsentieren. Die Bandmitglieder steigen wieder ein und das Flugzeug driftet wie ein Traum davon.

Zwanzig Jahre später sieht man John ‚Dingo‘ in der australischen Wildnis Fallen für gefährliche Wildhunde (Dingos) stellen.  Um seinen Lebenstraum – ein Konzert mit Billy Cross zu spielen – näher zu kommen, übt der Trompeter mit Schallplatten von seinem Idol. Dieser lebt mittlerweile im Jazz-Mekka Paris. Also macht er sich aus dem Outback auf um in der französischen Metropole Cross (Miles Davis) zu treffen und mit ihm ein Konzert zu spielen.

 

Kritik

Dingo besitzt ein gutes Drehbuch, hervorragende Jazz-Musik von Michel Legrand/Miles Davis/Chuck Findley und hervorragende Schauspieler wie Colin Fries und Miles Davis. Weiterhin gibt es eine tolle Kameraarbeit mit exzellenten Landschaftsaufnahmen, die Road-Movie-Charakter haben.  Außerdem ist eine gute Audio-CD mit der Filmmusik erschienen.

 

Der Film läuft im englischen Original-Ton mit neuen deutschen Untertiteln. 

 

 

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